4. Leindotteröl auf der Erde: „BioWorld“

Jürgen Runkel (BioWorld Gütegemeinschaft Nachhaltige Ölpflanzennutzung SEO, Weiterstadt)

a) Voraussetzungen

Die meisten Ölpflanzen wie auch der Leindotter eignen sich zur gleichzeitigen Weiterverarbeitung des Presskuchens zu Nahrungsmitteln. Damit kann Teller plus Tank garantiert werden. Der bei der Pressung als Koppelprodukt anfallende Ölkuchen (Presskuchen) kann z.B. mit Haushalts-Getreidemühlen zu Pflanzenmehl verarbeitet werden, was dann wie ein Getreidemehl zum Brotbacken, für Nudel oder die Herstellung von Bratlingen verwendet werden kann. Mit Ölpflanzen können 3 Mal mehr Menschen ernährt werden als über den „Umweg“ der Fleischproduktion.

Präsentation Brot und NudelnGerade in kalten Regionen wie Sibirien oder in der Mongolei kann Leindotter ideal kultiviert werden. Mit den vorhandenen Flächen muss jedoch sinnvoll umgegangen werden. Deutschland hat nicht mehr viel ungenutzte Fläche zu bieten, im Gegensatz zu Ländern wie Polen, Ukraine oder Türkei.

 

Pflanzliche Öle können nicht 1:1 als Treibstoff eingesetzt werden, insbesondere die „Sauberkeit“ der Motoren im Pflanzenölbetrieb stellt ein Problem dar. Auch kann ein pflanzliches Öl leicht bakteriologisch befallen werden. Die Lösung war die Entwicklung von auf das jeweilige Öl abgestimmter Additiv-Komplexe.

b) Der BioWorld-Ansatz

Verschiedene Technologien sollen kaskadiert und integriert miteinander verbunden werden. Bspw. sollen Synergien aus dem Energie- und Nahrungsmittelsektor genutzt werden. Ein Beispiel hierfür ist die gleichzeitige Herstellung von Kohle aus Pflanzen.

Zu beobachten ist, dass die Böden verarmen und in ihrer Bodenfruchtbarkeit nachlassen.

Durch den ständigen Eintrag von Ackergiften werden die für die Bodengare zuständigen Mikroorganismen abgetötet. Der Boden verarmt. Dies trifft sowohl auf Boden-Lebewesen wie Regenwürmer etc. aber auch für die Bodenmycelbildung zu. Eine Bodengare findet dadurch nicht mehr statt. Durch Pflanzenkohle kann dem entgegen gewirkt werden. Der Boden kann gesunden.

Der Vorteil des BioWorld-Projektansatzes besteht somit darin, die Biomasse mit all ihren Bestandteilen und Möglichkeiten und somit integriert zu nutzen. Der Output besteht zum einen aus Öl (Energie), aus Nahrung und zum anderen aus der Nutzung des „Ausschusses“ als Pflanzenkohle.Brot und Nudeln aus Leindotterpresskuchen

Der Bauer hat somit eine hundertprozentige Verwertung, wodurch sich die Wertschöpfung steigert. Es ist wesentlich ökologischer als die Düngemittelherstellung über den Tagebau des Phosphorsabbaus. Außerdem ist Phosphor nur noch ca. 40 Jahre vorhanden.

Mit Pflanzenkohle aus sog. PYREG-Anlagen können Dauerhumusböden geschaffen werden.1

Preisverleihung Solarpreis 2010: Jürgen Runkel mit Dr. Hermann Scheer Ein weiteres Beispiel ist die Gewinnung und Nutzung von Gas während der Pflanzenkohleherstellung. Damit können die Produktions-Anlagen energieautark betrieben werden oder es kann über Wärme-Kraft-Kopplung Strom plus Wärme erzeigt werden.

Die Idee des BioWorld-Projektes besteht in der Installierung von Anlagen, die diese drei Technologien zusammenführt: Ölgewinnung für Energie, Nahrungsmittelbereitstellung, Pflanzenkohle für die Bodengare und Gasgewinnung als Produktionsgas für die Prozessführung.

Es entstehen dabei keinerlei nicht verwertbare Abfallstoffe (Zero-Waste-Technology).

Die Anlagentechnik kann dezentral bereitgestellt und ohne Umweltgefährdung eingesetzt werden.

1 Vgl. Pyreganlagen: http://www.pyreg.de/anlage.html.

Fotos:  1. und 2. Präsentation von Teig- und Backwaren unter Verwendung von gemahlenem Ölpresskuchen aus Leindotter. 3. Preisverleihung Solarpreis 2010: Jürgen Runkel mit Dr. Hermann Scheer 

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